Eckdaten

Projektnummer 24002
mit Architekt Radovan Zelik
mit Architekt Gabor Toth
Tragwerksplaner Goran Subotic TWP
Tragwerksplaner Sudop (CZ)

Auslober: Stadt Most (CZ)
Kontext: Rad- und Fußgängerbrücke über
den Verkehrskorridor - von der Stadt zum
See inklusive Gestaltung der
Brückenköpfe sowie des Museumsparks.

Bearbeitung: Mai 2026  - August 2026
Länge der Brücke: 320m
längstes Brückenfeld: 46,10m
Nutzbare Fläche des Stegs: 2475m²
max. Höhe über dem Gelände: 14m

Kaffeeverbrauch während der Umsetzung in Tassen: ca. 504

MO-JE LÁVKA Most/Brüx (CZ)

Ein Rad- und Fußgängersteg von der Stadt Most zum neuen See
Die im Norden Tschechiens gelegene Stadt Most/Brüx hat eine sehr bewegte Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Stadt durch die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei einen großen Teil ihrer Bevölkerung. Eine bedeutende Braunkohlelagerstätte besiegelte das Ende des historischen Stadtkerns.   Die tschechoslowakische Regierung entschied, dass es für die wirtschaftliche Entwicklung unumgänglich sei, die Kohlelagerstätte um den Preis des Abbruchs der alten Stadt zu erschließen und in der Nähe eine neue Stadt zu errichten.
Heute ist die Braunkohle abgebaut und an dieser Stelle befindet sich ein großer See, der als Naherholungsgebiet dient. Zwischen dieser Wasserfläche und der Stadt liegt ein Verkehrskorridor mit einer Bahntrasse, einer Autobahn und einer demnächst entstehenden Straßenbahnlinie.  
Die neue Fuß- und Radwegbrücke verbindet die Stadt Most mit dem See und der neu entstehenden postindustriellen Landschaft. Der Entwurf versteht die Brücke als zukunftsorientierte Infrastruktur und zugleich als neuen öffentlichen Raum für Begegnung, Bewegung und Aufenthalt.

Die Inspiration hierfür ist auch das technische Erbe des Braunkohletagebaus. Die gewaltigen Tagebaumaschinen, die die Landschaft einst prägten, werden jedoch nicht wörtlich zitiert, sondern in ein zeitgenössisches konstruktives Prinzip übersetzt. Wie bei den Maschinen wird der Kraftverlauf zum sichtbaren Bestandteil der Architektur. Zwei Vektoren mit unterschiedlichen Bogendurchmessern bilden die Haupttragstruktur und definieren die einzigartige Form des Stegs. Der Wunsch nach einer optionalen Abfahrt zu einem bestehenden Radweg folgt dieser Logik mit einem dritten Vektor.
Die Brücke feiert die neuen Verbindungen zwischen Stadt, Landschaft und See als Sequenz, die im neu definierten Museumspark beginnt. In dieser Zone werden die Verkehrsströme geordnet, der motorisierte Verkehr wird vom Rad- und Fußgängerverkehr getrennt und die nötige Infrastruktur im Park ergänzt. Dies schließt an den öffentlichen Park „Sady k Světle“ an, der dadurch aufgewertet wird. Der stadtseitige Brückenkopf öffnet sich wie ein Trichter zu allen Wegen dieses Bereichs hin und bietet Aufenthaltsbereiche, Sitzgelegenheiten, einen Trinkbrunnen und eine Servicestation. Der Fuß- und Radverkehr wird überwiegend getrennt geführt. In den Übergangsbereichen sorgen „Fair-Zonen” für eine gemeinsame, intuitive und sichere Nutzung.

Im Mittelbereich weitet sich die Brücke zu einer Aufenthaltszone mit überdachten Sitzplätzen, Fahrradständern und Ausblicken – der Weg wird zu einem Ort zum Verweilen. Am See endet der Brückenkopf auf einer Aufschüttung, die an Kohle erinnert. Auch hier gibt es Aufenthaltsqualität und die Fläche könnte als Treffpunkt für Unternehmungen und Ausflüge dienen. Von hier aus binden neue Wege nahtlos an das bestehende Fuß- und Radwegenetz an und führen weiter zum See sowie zu den künftigen Straßenbahn- und Seilbahnlinien.
Die hybride Stahlbetonkonstruktion setzt auf vorgefertigte Elemente, langlebige Materialien und einen geringen Wartungsaufwand. Eine energieeffiziente, sensorbasierte LED-Beleuchtung reduziert die Belastung der umgebenden Natur.

MO-JE LÁVKA ist damit mehr als eine Verkehrsverbindung: Sie macht die Geschichte des Ortes ablesbar und schafft zugleich ein starkes Zeichen für seine zukünftige Entwicklung – als Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft, Stadt und Landschaft. Die Querung des Verkehrskorridors wird so zu einem Ort der Identifikation und Begegnung für die Menschen.